STURM!

Performance nach Shakespeare | Koproduktion mit kainkollektiv

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Warten auf Prospero. Was geschieht, wenn, wenn der vertriebene Herzog von Mailand, der mächtige Zauberer, Prospero, seine Taten in DER STURM nicht mehr verantworten kann? Was denkt der Schauspieler, der Prospero spielen soll, wenn er mit den umwälzenden gesellschaftlichen Entwicklungen der jüngsten Zeit – Black Lives Matter, Klimakrise, CoVid-19 – konfrontiert wird? Welche Rolle soll darin einer kamerunischen Schauspielerin zukommen, in diesem Werk, indem es nur eine Frau gibt, die mundtot und minderjährig zwangsverheiratet wird und worin alle Indigenen als Ungeheuer oder Sklaven oder beides beschrieben werden?

In dieser von Umwälzungen geprägten Gegenwart, in der sich viele literarische Werke wegen möglicher rassistischer Inhalte auf dem Prüfstand befinden, kommen die Werke William Shakespeares vergleichsweise glimpflich davon. Doch auch sein letztes Theaterstück, DER STURM, bedarf kritischer Betrachtung.

Die Arbeiten des Regieduos KAINKOLLEKTIV setzen sich schwerpunktmäßig mit dem Erbe des Post-Kolonialismus auseinander. Ihre international besetzten Produktionen entstehen stets unter Einbeziehung der Biographien und privaten Erfahrungen ihrer Beteiligten. Darin ist ihre STURM! durchwandert theatral vier Jahrhunderte und stößt in Richtung einer mehr als ungewissen Zukunft des Auf-, Um- und Abbruchs vor, in der nahezu alles denkbar ist. STURM! ist die erste Arbeit im PRT, die von Beginn an ausschließlich unter Einhaltung der Corona-Auflagen auf und hinter der Bühne geprobt und produziert wird.

Auf einige Rückkehrer der unheilvollen Amerika-Expedition von 1607 soll Shakespeare in den Seemannskneipen des Londoner Westend getroffen sein; sie berichten ihm von den Wirrnissen der „Neuen Welt“. Ihr Seemannsgarn inspiriert ihn zu seinem letzten Stück THE TEMPEST (DER STURM), das er im Jahr 1611, wenige Jahre vor seinem Tod, veröffentlicht. Im Epilog Prosperos, den er direkt ans Publikum richtet und mit dem er im wahrsten Sinne des Wortes abtritt, hat man Shakespeares eigene Abschiedsrede vom Theater zu erkennen gemeint. Mit Prospero, dem Magier, tritt auch Shakespeare, der Theater-Magier, von der Welt-(Theater-)Bühne ab. Wie weitreichend der Stücktitel ins Herz der Globalisierungsdynamik zielt, ist in vollem Umfang erst heute zu ermessen, in einer Zeit des Turbo-Kapitalismus und Klimawandels, in der Pandemien, Finanzstürme und Tsunamis über den Planeten toben und mithin ganze Inseln hinwegfegen (ökonomisch wie geografisch) wie jenes Eiland, auf der Prospero sein Reich begründet hat.

In STURM! will das Bochumer kainkollektiv zusammen mit dem PRINZ REGENT THEATER und einem Team von drei Darsteller*innen Shakespeares berühmtes letztes Stück noch einmal und ganz neu erzählen. Das kainkollektiv arbeitet seit fast 10 Jahren von Bochum und NRW aus in internationalen Kooperationen, unter anderem mit Theatermacher*innen aus afrikanischen Ländern, insbesondere Kamerun und Madagaskar. In diesen Kooperationen sind große Arbeiten zur Kolonialgeschichte, zur Geschichte der Sklaverei und zum Afrofuturismus entstanden. Seit 2018 erhält das kainkollektiv für seine lokale Arbeit und Vernetzung in Bochum eine Förderung der Stadt.

Das kainkollektiv arbeitet seit fast 10 Jahren von Bochum und NRW aus in internationalen Kooperationen, unter anderem mit Theatermacher*innen aus afrikanischen Ländern, insbesondere Kamerun und Madagaskar. In diesen Kooperationen sind große Arbeiten zur Kolonialgeschichte, zur Geschichte der Sklaverei und zum Afrofuturismus entstanden. Seit 2018 erhält das kainkollektiv für seine lokale Arbeit und Vernetzung in Bochum eine Förderung der Stadt.

Trailer: Peter Wedel - © PRT

Mit:
Alexander Steindorf

Edith Voges Nana Tchuinang

Live-Musik: Rasmus Nordholt
Regie: kainkollektiv (Fabian Lettow und Mirjam Schmuck)
Ausstattung: Hans Dreher
Clara EIgeldinger
kainkollektiv
Licht: Joachim Kiel
Video: Edith Voges Nana Tchuinang
Nils Voges
Regieassistenz: Kerstin Sommer

Tabea Stenner

Fotos: Heiner Brinkmöller-Becker

Trailer: Peter Wedel

Unterstützt von Der Stiftung der Sparkasse Bochum zur Förderung von Kultur und Wissenschaft